Informationen über das Dörfchen Brädikow

 

Es gibt Straßenkarten, auf denen ist das Örtchen Brädikow nicht einmal verzeichnet. Aber es lohnt sich genauer hinzusehen.
Durch die Gemeindereform im Land Brandenburg wurde Brädikow, Vietznitz, Jahnberge und Warsow zur neuen Gemeinde Wiesenaue zusammengefasst.
Das Dorf      
Brädikow liegt im Zentrum vieler Sehenswürdigkeiten der Mark Brandenburg, im Havelland.
Es ist eine kleine Gemeinde, deren Bürger ursprünglich von der Landwirtschaft lebten; auch heute wird in Brädikow noch Landwirtschaft betrieben.
Ein genaues Gründungsdatum dieses Dorfes lässt sich nicht nennen, es wird aber bereits im 14. JH urkundlich erwähnt. 
Brädikow hat ca. 365 Einwohner, so viele, wie das Jahr Tage hat.
Brädikow entwickelte sich als Straßendorf parallel zur Landstraße.

   

Dorfmittelpunkt mit Kirchturm heute und ca. 1930.

 

 

 

 

 

 

Vorwerk Bernhardinenhof
Den jetzt freien Dorfmittelpunkt bildet ein Gebäudekomplex, der durch eine Kastanienallee mit dem Vorwerk verbunden war, das auf einer kleinen Anhöhe liegt. Das Vorwerk war das Gut Bernhardinenhof, das zum Rittergut zu Briesen gehörte. Es wurde im Jahre 1818 von Friedrich Phillip Leopold Ferdinand von Bredow gegründet und nach dessen Frau Bernhardine von Wulfen benannt. 
In der Mitte der zwanziger Jahre des 20. JH wurde das Gut wegen Überschuldung durch seinen bevollmächtigten Verwalter Max Maronde aufgelöst und anschließend an gleicher Stelle die Feldsiedlung, heute Bergsiedlung, gegründet.

Eine bemerkenswerte Einrichtung auf diesem Vorwerk war die Wasserversorgung. Obwohl das Gelände auf einer sandigen Anhöhe liegt und weit und breit kein Grundwasser vorhanden ist, war man an dieser Stelle offensichtlich fündig geworden und konnte dort einen Brunnen anlegen. Aus diesem Brunnen wurde mit einem pferdegetriebenen Göpel Wasser in einen Hochbehälter auf dem Rinderstall gepumpt und von dort über eine Wasserleitung in die Ställe verteilt. Da sich auf dem Hof eine beträchtliche Menge Vieh befand, darf angenommen werden, dass der Brunnen sehr ergiebig war. Die genaue Lage des Brunnen war lange Zeit unbekannt, er wurde jedoch kürzlich bei Renovierungsarbeiten wieder entdeckt und nach einer oberflächlichen Begutachtung erneut verschlossen. 

 
Der Bernhardinenhof um ca. 1920, nach Erzählungen erstellt

Bergsiedlung
In den Jahren 1933 - 1935 wurden auf dem Gelände des Bernhardinenhofes und den dazugehörigen Äckern Siedlungshöfe geschaffen, die jeweils ca. 20 ha Land hatten. Diese Höfe wurden vornehmlich von der "Reichstelle für die Auswahl Deutscher Bauernsiedler" in Münster und Herford angeboten, was dazu führte, dass viele der neuen Siedler aus Westfalen kamen. 
Heute werden die ehemaligen Siedlerhöfe nur noch in geringem Umfang landwirtschaftlich genutzt. Der einheitliche Baustiel der Höfe, die wie an einer Schnur ausgerichtet auf einer Anhöhe an der heutigen "Bergsiedlung" liegen, ist noch klar zu erkennen. 


Die Bergsiedlung, früher Feldsiedlung


Das Dorf Brädikow

 

 

 

Viele Gemeinden haben eine Kirch ohne Turm, Brädikow hat einen Turm ohne Kirche.

Die Kirche
von Brädikow war eine, um die Mitte des 18. Jahrhunderts  entstandene, schlichte Fachwerkskirche in Saalform mit neugotischem Turm von 1868.1976/77 musste der Saal der Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden. So steht heute nur noch der Kirchturm.

Die landschaftlich reizvolle Lage Brädikows an der  Grenzlinie zwischen Havelländischem Luch und der Hochfläche des Ländchen Friesack lädt geradezu zum Wandern ein. Aber auch ein Ausritt ist möglich, denn in Brädikow und in der näheren Umgebung gibt es Reiterhöfe.

 

(Quelle: Berliner Morgenpost vom 19. Mai 2000)
War's der Ritter von Bredow - oder eine Furt?
Ortsnamen: Brädikow

Bereits von 1364 gibt es eine urkundliche Erwähnung mit dem Namen Boldewino Bredekow in Rathenow. Es ist allerdings nicht sicher, ob sich dieser auf das heutige Brädikow bezieht.

Ab 1390 ist die Entwicklung des Namens der Gemeinde bei Friesack sicher nachzuvollziehen. In diesem Jahr wird Hasso von Bredow zu Friesack als Besitzer des Dorfes genannt, der ihm möglicherweise eine Abwandlung seines Namens als Bezeichnung gab. Urkundlich festgehalten sind: 1390 Bredekow, 1413 Bredeko desolata, 1459 Bredekav, 1495 Bredikaw, 

1541 Bredikow, 1718 Breeko, 1725 Breekow, 1775 Bredickow und erst 1805 schließlich Brädikow.Ein Beleg von 1412 zeigt, dass es ursprünglich sogar zwei Dörfer gab, Ober- und Niederbrädikow. 

Geprägt wurde der Name möglicherweise auch durch die ursprünglich sumpfige Umgebung, denn von Brädikow aus führte eine Furt durch das Luch nach Bellin und eine nach Pessin. Diese Übergänge, die durch Sümpfe und Flüsse führen, waren ähnlich angelegt wie andere Watstellen, die als Pradikow (1340 Predikowe) bezeichnet wurden.

 

Copyright Heinz-Dieter Fälker
zuletzt geändert:  21.07.12